Glyphosat und nachhaltige Entwicklung

20.02.2018

Ziel 15 der UN-Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung lautet:

Nachhaltige Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen.

 

Ein paar Worte über Glyphosat

 

Das Bundesamt für Naturschutz hat im Januar 2018 eine 13-seitige Stellungnahme zum Wirkstoff Glyphosat herausgegeben. Gemessen an der Tatsache, dass das Bundesamt für Naturschutz bekannt dafür ist, äußerst vorsichtig zu urteilen und dies immer nur auf dem Boden wissenschaftlich belegter Tatsachen, ist diese Stellungnahme geradezu revolutionär eindeutig in ihrer warnenden Aussage. Denn sie drückt klar aus, dass die Anwendung von Glyphosat in seinen Verbindungen mit weiteren Wirkstoffen ein hohes Risiko für die biologische Vielfalt in unserm Land darstellt – und nicht nur dort, überall, wo es zum Einsatz kommt.

 

Glyphosat tötet zuverlässig alle Pflanzen, die nicht die begünstigte Kulturpflanze sind. Und es hat direkte und indirekte tödliche und subletale Auswirkungen auf tierisches Leben in der Agrarlandschaft. Nicht nur dort aber wird es wirksam.

 

Erst kürzlich wurde eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass in die Oberflächenwässer eingetragene Pestizide, auch Glyphosat, äußerst schädliche, häufig tödliche Wirkungen auf Wasserorganismen haben.

 

Dies alles bestätigt die Stellungnahme des BfN.

 

Und trotzdem sieht sich die Regierung der Bundesrepublik Deutschland nicht veranlasst, diesen hochriskanten Wirkstoff umgehend zu verbieten. Warum nicht?

 

Es gibt dafür nur die eine Erklärung, dass die Wirtschaftsinteressen, die auch Herrn Bundesminister Schmidt bewogen haben, der Verlängerung der Zulassung von Glyphosat um weitere fünf Jahre seine Zustimmung zu erteilen, so übermächtig sind, dass sie das natürliche Schutzbedürfnis der eigenen Bevölkerung weit überwiegen. Aber für uns Bürger*innen es geht inzwischen um viel: um unsere eigene Gesundheit und um das gesunde vielfältige Leben in unserer natürlichen Umwelt.

 

Wie ein Donnerschlag schlug die Mitteilung ein, dass 70 bis 75% des Insektenlebens schlicht verschwunden sind. Diese kleinen Wesen, von vielen nur als lästige Mücke oder netter Schmetterling bemerkt, bilden die Basis unserer eigenen Existenz, eine Tatsache, die es schwerfällt zu glauben. Doch auch sie ist mehrfach hieb- und stichfest belegt, ohne Insekten bricht die ganze vielfach vernetzte Kette des Lebens zusammen, an deren Ende wir selber stehen mit unsern Bedürfnissen.

 

Glyphosat steht nicht alleine. Eine schier endlose Liste von fremd klingenden Namen wie Imidacloprid, Clothianidin, Cyfluthrin, Cyproconacol, Flucioxonil, Tebuconacol… usw., all diese Stoffe sind hochgiftig, auch für uns.

 

Sie sind in die Hände von Landwirten gegeben, von denen wir nur hoffen können, dass sie alles richtig machen bei der Anwendung. In den USA sind inzwischen an die 10.000 Klagen gegen Monsanto und Co. anhängig, angestrengt von den Farmer-Witwen, deren Männer nach jahrelanger Anwendung dieser Gifte elend an den verschiedensten Krebsen eingegangen sind.

 

Die Grundfrage ist doch: wie ist es möglich, dass unser täglich Brot, Gemüse, Obst nur unter Einsatz von tödlichen Giften erzeugt werden kann? Denn das wird uns suggeriert: es geht nicht anders!

 

Ansonsten fressen die Schädlinge unsere Ernte auf, überwachsen die Unkräuter die nützlichen Pflanzen.

 

Und wieso brauchen Biobauern kein einziges dieser Gifte? Und wie haben unsere Vorfahren die Ernte eingebracht, die nicht mal künstliche Dünger zur Verfügung hatten?

 

Die Antwort ist einfach: Diese Menschen kannten ihren Boden ganz genau, beobachteten, befragten, berochen ihn und rangen ihm ab, wozu er zu geben in der Lage war. Nicht anders arbeiten die Biobauern heute: mit Klugheit und Einfühlungsvermögen bearbeiten sie die Böden, die ihnen zur Verfügung stehen. Schädlinge werden mit Nützlingen bekämpft, vielgliedrige Fruchtfolgen vermiesen den Pflanzenschädlingen obendrein das Gedeihen, und mit den richtigen Nahrungspflanzen düngen die Biolandwirte die Böden ganz natürlich. Das ist deutlich anspruchsvoller als eine Tüte Gift aufzureißen, ohne Frage, und bedeutet viel mehr Mühe und Nachdenken bei der täglichen Arbeit.

 

Und auch der in der intensiven Landwirtschaft abgeschaffte Pflug geht wieder durch den Acker beim Biobauern. Unerwünschte Beikräuter hält man damit im Zaum. Der andere Weg, nicht zu pflügen und statt dessen alles was grünt auf dem Boden, mit Gift zu töten, ist eine Sackgasse. Inzwischen wird klar, was diese Gifte dem Boden auch langfristig antun: Sie zerstören das lebensnotwendige Gefüge der Milliarden von Lebewesen, die den Boden fruchtbar halten. Was der Bauer früher intuitiv erfasste – heute ist es vielfach erforscht und bewiesen. Boden ist eine lebendige Materie, und das Leben darin zu vergiften, um es vermeintlich leichter zu haben, ist schlicht dumm.

 

Glyphosat ist nach langem Ringen für weitere fünf Jahre in der Europäischen Union zugelassen worden. In dieser Zeit werden die Chemieriesen, die von den traumhaften Gewinnen vom Verkauf des Ackertods profitieren, längst den nächsten Wirkstoff im Schrank haben, dessen langfristige Schädlichkeit erst wieder mühsam bewiesen werden muss. Der einzige richtige Weg ist, grundsätzlich und generell auf den Einsatz von Gift beim Erzeugen unserer Nahrung zu verzichten. Denn die Welt wird ohnehin nicht von den Chemiemultis ernährt; das tun die Millionen von Kleinbauern und Erzeugern. Mehr als 160 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen trugen diese fundamentale Erkenntnis im Welternährungsbericht zusammen, der seit 2008 vorliegt und so gut wie möglich in den Schubladen versteckt wird.

 

Deshalb ist der Weg, auch in den Städten mit den vielfältigsten und buntesten Initiativen das Essen selber zu erzeugen, so gut und richtig. Solche Bewegungen „von unten“ stören die Geschäfte der Großen, und das ist gut. Und wir haben unser selbsterzeugtes, gesundes und frisches Gemüse auf dem Teller! Ein guter Weg, um wieder zu erfahren, wie Ernährung eigentlich funktioniert.

 

Beate Blahy
17.2.2018