Krippenwelten

18.12.2019

Ein Vortragsabend des UNESCO-Clubs Region Bonn

 

Am 4. Dezember 2019 lud der UNESCO-Club Region Bonn zu einem Krippenabend ein. Der Krippenabend fand statt als Kooperationsveranstaltung des Clubs mit

der Deutsch-Italienischen Gesellschaft;

der Gesellschaft für Internationalen Kulturaustausch und Politische Bildung e.V.;

der Friedrich-Spee-Akademie Bonn;

der Landesgemeinschaft der Krippenfreunde in Rheinland und Westfalen e.V. sowie

des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte Bonn.

 

Dr. Alois Döring vom UNESCO-Club Region Bonn skizzierte die Geschichte der Weihnachtskrippe. Krippen erfahren in jüngster Zeit ein großes Interesse. Immer mehr Menschen machen sich beispielsweise auf Krippenwege, um Krippen in ihren vielfältigen Gestaltungen anzuschauen. Krippen sind in ihrem künstlerischen, religiösen, spirituellen und ideellen Facettenreichtum ein wertvolles Kulturgut. Krippenkompositionen faszinieren In Kirchen und privaten Wohnungen.

 

In einem breit gespannten Bilderbogen wurden Motive und Frömmigkeits-Überlieferungen wie beispielsweise Bilddarstellungen der Geburt Christi im Kirchenraum oder der Brauch des „Kindleinwiegen“ vorgestellt, die zur Ausbildung szenisch-figürlich gestalteter Krippen seit dem 16. Jahrhundert beitrugen.

 

Die Barockzeit erzeugte aufwendige Krippenszenerien, beispielsweise in Neapel. Dr. Angelika Dierichs (Bonn) stellte die Neapolitanischen Krippen vor, welche die Darstellung von Christi Geburt einbinden in lebendig wiedergegebene Alltagsszenen neapolitanischer Lebensrealität. Die Blüte der neapolitanischen Krippenkunst verherrlichte auch Johann Wolfgang von Goethe.

 

Die Pracht der Krippen aus Neapel beruht auf der perfekten Ausführung der Terrakottaköpfe, auf dem durch ein Gerüst aus Draht und Werg beweglichen Körper mit holzgeschnitzten Gliedmaßen sowie auf der aus eigens gewebten Stoffen genähten Bekleidung nach der neapolitanischen Mode des 18. Jahrhunderts.

 

Im Rahmen des Krippenabends zeigte Dr. Döring in einer kleinen Ausstellung Weihnachtsdarstellungen der Schriftstellerin und Künstlerin Ruth Schaumann (1899-1975).

 

Mit etwa 90 literarischen und unzähligen bildnerischen Werken war Ruth Schaumann eine der produktivsten christlichen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Das Leben Jesu und das Marienleben gehören zu den zentralen Themen. Dazu zählt auch der weihnachtliche Motivkreis, den sie vielfältig variiert: Gedichte und Prosa, figürliche Krippen, weihnachtliche Darstellungen in verschiedenen Techniken.

 

Persönlichkeiten wie Ruth Schaumann, schreibt die Paderborner Professorin Annette Wiegelmann-Bals, „eignen sich im Kontext der World Heritage Education in besonderer Weise als Vorbild“. World Heritage Education befasst sich u.a. mit Grundlagenforschungen zur Vermittlung vom materiellen und immateriellen Kulturerbe.

 

In Auswahl waren weihnachtliche Motive (Grafiken, Gedichtbände) aus Privatbesitz zu sehen.

 

Dr. Alois Döring

 

Foto: Gefatschtes (gewickeltes) Jesuskind mit Stern von Bethlehem. Kolorierter Holzschnitt von Ruth Schaumann. © Privatbesitz Döring, Alfter