UNESCO-Club Kulmbach-Plassenburg wehrt sich gegen die Abschiebung von Schülern aus "Flüchtlingsklassen"

 

„Jetzt allerdings sind die Dinge in einer Weise ins Kraut geschossen,
dass wir ratlos dastehen, nicht wissend, wie wir ihnen Einhalt gebieten sollen.“

(Heinrich Böll, 1966)

 

Seit 1½ Jahren unterstützt der UNESCO-Club Kulmbach-Plassenburg das Berufliche Schulzentrum Kulmbach in der Beschulung von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Ostafrika.

 

Logo Berufliches Schulzentrum Kulmbach - UNESCO Projektschule

 

Angefangen hat dies mit einer Anfrage des Schulleiters. Zwei ehemalige Lehrkräfte, die jetzt ehrenamtlich in der UNESCO-Arbeit tätig sind, waren spontan bereit, ihre Erfahrungen als Sozialkunde- und Geschichtslehrer in den Unterricht mit unbegleiteten Flüchtlingen einzubringen.

 

Beide bereuen diese Entscheidung bis heute nicht. Denn viele Schülerinnen und Schüler zeigten schon sehr rasch deutliche Lernfortschritte. Sie sind motiviert und haben die Aussicht, nach Abschluss des zweiten Schuljahres den Hauptschulabschluss oder in der Vorklasse zur Fachoberschule den mittleren Schulabschluss zu erwerben. Mit diesen Qualifikationen hätten sie gute Chancen zum weiteren Aufstieg in unserem Bildungs- und Beschäftigungssystem. Die gemeinsamen Anstrengungen schienen von Erfolg gekrönt.

 

Nun muss die Schule aber feststellen, dass Zug um Zug die besten Schülerinnen und Schüler der Klassen abgeschoben werden sollen. Zunächst traf es einen 20jährigen jesidischen Kurden aus dem Nordirak, der gemäß dem Dublin-Abkommen nach Kroatien abgeschoben worden ist. Dann sollte seine Schwester folgen, und jetzt sind Schüler aus Afghanistan an der Reihe. So lässt sich endlich die Abschiebungsquote erhöhen und nationalistischen Parteien Wind aus den Segeln nehmen.

 

Mit dieser Abschiebungspraxis werden aber nicht nur eineinhalb Jahre Bemühungen um Integration in unser Bildungs- und Gesellschaftssystem zunichte gemacht, sondern auch die Region Kulmbach, seit Jahrzehnten Opfer des Strukturwandels, verliert mit diesen jungen Menschen potentielle Fachkräfte, die in der Region dringend benötigt werden.

 

Das Anliegen des UNESCO-Clubs Kulmbach-Plassenburg wird von allen UNESCO-Clubs in Deutschland unterstützt. Gemeinsam appellieren wir an die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik: Wer Integrationsbereitschaft und auch -fähigkeit bewiesen hat, sollte eine Chance erhalten, zumindest bis zum Abschluss einer Ausbildung in unserem Land zu bleiben! Selbst wenn diese jungen Menschen nach ihrer Ausbildung, während derer sie Leistungen für unsere Wirtschaft und unser Sozialsystem erbringen, wieder in ihr dann hoffentlich befriedetes Heimatland zurückkehrten, so wäre dies auch ein Beitrag zum Wiederaufbau dieser Länder.

 

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Weihnachten 2016